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Deutsche UVEITIS Arbeitsgemeinschaft DUAG e.V.

Selbsthilfeorganisation für an Uveitis erkrankte Menschen

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Mit Uveitis zurecht kommen

von Prof. Dr. Uwe Pleyer, Charité Berlin

Mit Uveitis zurechtzukommen, ist schwer genug für Erwachsene. Für Kinder aber erst recht, denn oft tritt die Augenerkrankung mit anderen, ebenfalls schweren Erkrankungen auf. Außerdem fordert die Uveitis des Kindes die ständige Aufmerksamkeit der Eltern. Ein Überblick über Ursachen, Komplikationen und Behandlung.

Betroffen sind sie alle: der kleine Patient, die Eltern und natürlich auch der behandelnde Augenarzt, wenn die Diagnose “Uveitis im Kindesalter” gestellt wird. Nicht selten wird sie zufällig, etwa bei Schuluntersuchungen, als Sehschwäche aufgedeckt. Dieser Zufallsbefund erklärt sich dadurch, daß Kinder selten über Sehstörungen klagen und wir Augenärzte oft überrascht sind, wie gut die Kinder die Situation meistern, obwohl bereits ausgeprägte Komplikationen durch die Uveitis das Sehen behindern.

Häufigkeit

Glücklicherweise sind die Kinder selten betroffen – etwa zehn Prozent der Uveitis-Patienten in spezialisierten Zentren sind unter 16 Jahre. Überwiegend ist der vordere Teil der Regenbogenhaut betroffen – es liegt eine “Iritis” (anteriore Uveitis) vor. Bedrohlicher verlaufen die Entzündungen der sehr empfindlichen Aderhaut oder sogar Netzhaut im hinteren Anteil des Auges (posteriore Uveitis). Nicht selten liegt eine Entzündung des mittleren Bereiches (intermediäre Uveitis) vor.

Ursachen

Spätestens wenn Komplikationen am Auge sichtbar sind, stellt sich die Frage nach dem Auslöser der Erkrankung. Bei etwa der Hälfte der Kinder kann durch zusätzliche Untersuchungen und Mitarbeit des Kinderarztes ein Hinweis auf eine Grunderkrankung gefunden werden. Dies hat allerdings nur Auswirkungen auf die einzuleitende Therapie, wenn eine Infektionserkrankung der Uveitis zugrunde liegt. Eine besondere Situation liegt bei rheumatologischen Erkrankungen vor, die nicht nur bei der Ursachenfindung, sondern auch bei der Behandlung eine gute Zusammenarbeit von Augenarzt und Kinderarzt erfordern.

Es lassen sich zwei Gruppen von Kindern mit rheumatischer Erkrankung und Uveitis unterscheiden.

1. Juvenile idiopathische Arthritis: Meist erkranken Mädchen, bei denen im Serum häufig die sogenannten “antinukleären Antikörper” nachweisbar sind. Bei diesem Krankheitsbild wirkt das Auge wenig entzündet und blaß. Weil die Erkrankung deshalb lange unerkannt bleibt, verläuft sie heimtückisch und bedarf engmaschiger Kontrollen und sorgfältiger Therapie.

2. Spondylarthritis: Meist erkranken Jungen, bei denen im Blut das HLAB27-Merkmal nachweisbar ist. Das Auge ist im akuten Stadium meist gerötet und schmerzhaft, und die Prognose ist besser als bei der ersten Gruppe. Da ein Schub wesentlich leichter erkennbar ist als in der ersten Gruppe, kann die Therapie viel früher eingeleitet werden. Einige Infektionserkrankungen können ebenfalls, jedoch eher selten, eine kindliche Uveitis hervorrufen. Hierzu zählen zum Beispiel Borreliose, Toxoplasmose, Herpes-simplex-Viren, Tuberkulose und gelegentlich seltenere Erreger

Behandlung

Abhängig von der Entzündungsform, des Schweregrades und der möglichen Ursache erfolgt die Therapie. Ziel ist es, das Sehen zu erhalten, Rückfälle möglichst zu verhindern und Komplikationen zu vermeiden. Hierzu dient zum einen die Bekämpfung der Entzündung was bei vielen Kindern durch cortisonhaltige Augentropfen, manchmal jedoch auch nur durch Cortison-Tabletten erzielt werden kann. In seltenen Fällen müssen auch Medikamente aus der Gruppe der Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin A, Azathioprin, Methotrexat) verordnet werden. Wichtig bei kräftiger Entzündung im vorderen Augenabschnitt ist die Weitstellung der Pupille, um Verklebungen zwischen Pupille und Linse zu vermeiden (hintere Synechien), was meist durch mittellang wirksame Medikamente (Tropicamid) erreicht wird. Da bei den juvenilen Arthritisassoziierten Formen der Uveitis das Auge auch im Schub meistens blaß bleibt, empfehlen wir den Eltern, ihren Kindern ein kurz wirksames Medikament zur Pupillenweitstellung zu geben. Zeigt sich eine halbe Stunde nach der Pupillenerweiterung der gleiche Befund wie am Abend zuvor, so ist ein schwerer Schub eher unwahrscheinlich. Hat sich das Bild geändert, zum Beispiel durch neue Verklebungen, sollten die Eltern ihr Kind als Notfall vom Augenarzt kontrollieren lassen. Bei Infektionserkrankungen besteht die Behandlung in Verabreichung von Antibiotika oder von gegen Viren gerichteten Medikamenten (Virustatika). Besteht eine Kalkablagerung auf der Hornhaut, so kann diese operative entfernt werden. Eine der häufigsten Komplikationen besteht in der Ausbildung einer Linsentrübung (Katarakt), die heutzutage mit guten Ergebnissen entfernt werden kann. Gefürchtet ist eine Wassereinlagerung an der Stelle des schärfsten Sehens (Makulaödem) und des Sehnervenkopfes, die ebenfalls einer entzündungshemmenden Therapie bedürfen.

Es ist immer zu berücksichtigen, daß die Kinder keine “kleinen Erwachsenen” sind und die körperliche und seelische Entwicklung durch die Erkrankung unmittelbar, aber auch durch die Behandlung beeinflußt wird. Die Kinder sollen so “normal” wie möglich aufwachsen und nicht durch übertriebene Fürsorge gehemmt werden. Andererseits ist es wichtig, daß die Eltern gut über die Krankheit informiert sind und zusammen mit den behandelnden Ärzten den Kindern helfen, die Situation zu meistern.

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